18.02.2015

Karikaturen in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Die Karikatur als bildliches Mittel der Satire hat seit jeher unterschiedlichsten Zwecken gedient und Gesichter gehabt. Unser Thema des Monats widmen wir dieser Ausdrucksform und zeigen die vielfältigen Arten von historischen Karikaturen in den Beständen unserer Datengeber.

Beispielhaft zeigen wir Karikaturen als Propaganda, zur Untermauerung politischer und rassistischer Vorurteile, als Kritik an Mode- und Schönheitsidealen oder als humoristische Zuspitzung gesellschaftlicher und herrschender Zustände.

Der Krieg und seine Karikaturisten

Die Karikaturen deutscher Zeichner in der Deutschen Digitalen Bibliothek während und nach dem 1. Weltkrieg zeigen schnell die Abwesenheit von Kritik an den deutschen Handlungen auf. Stattdessen tritt die Diffamierung des Feindes in den Vordergrund, allen voran der Engländer, während die deutschen Zeichner der nationalen Linie kritiklos folgen. Der Bilderbogen „John Bull“ karikiert den englischen Kriegsgegner in Bildern und Versen (um 1914), die Publikation „Frankreichs ‚Englische Krankheit‘ – Großbritanniens Schmach im Lichte französischer Karikatur“ (1918) mit „72 Bildern bekannter französischer Künstler“ überlässt den französischen Zeichnern die Diffamierung.

Die Einleitung dieser Veröffentlichung aus dem „Verlag der Lustigen Blätter Dr. Eysler & Co., Berlin“ lässt keine Zweifel an der Intention des Herausgebers: „Dies Büchlein will zeigen, wie sich das Bild des Engländers in dem Spiegel der Französen darstellte… Ohne irgend einen Anspruch auf die Vollständigkeit des reichen Materials, stellt es französische Urteile über England zusammen. […] Wer diese Proben französischer Liebe und Verehrung für den Bundesgenossen richtig prüft, wird die ganze widerliche Heuchelei, die in dem plötzlichen Umschwung der Gefühle zu Beginn dieses Weltkrieges lag, ermessen können. Wird sich auch darüber klar sein, daß eine Zeit kommen muß, in der Frankreichs wetterwendisches Volk den Tag verwünscht, an dem es die Landung der englischen Pest in Calais bejubelt und den ersten Schritt zu seiner verhängnisvollen Abhängigkeit von diesem als Freund, Helfer und Gläubiger allzeit unerbittlichen Vorkämpfer der Freiheit der Meere und der Welt getan hat.“ (S. 6)

Frankreichs Englische Krankheit Bilderbogen John Bull Englische Falschmeldungen NS-Propaganda

Auch in der NS-Propaganda wird die Karikatur als Mittel zur Verhöhnung der Kriegsgegner benutzt. Ein Beispiel: Die britischen Zeitungsenten, die die Bevölkerung ernähren sollen, welche schon die Messer wetzt.

Zum Weiterlesen:

Deutsche Welle – Die Welt zugespitzt wie eine Karikatur

Süddeutsche Zeitung: Satire im Ersten Weltkrieg – Saure-Gurken-Zeit für Spott und Häme

Mode, Hunde und Fremdsprachen

Die Karikatur lässt nichts und niemanden aus: ob die Dame den geltenden Schönheitsidealen entsprechen möchte und dafür leiden muss, die Hunde der Mode entsprechen müssen oder andersherum, das schwierige Erlernen von Fremdsprachen oder die regionalen linguistischen Besonderheiten für Erheiterung sorgen. Und andern Orten wird gleich das ganze Phänomen Reifrock aus unbekannten Gründen ins Exil getragen.

Faut apprendre à souffrir pour être Belle (1814), Foto: Fotograf unbekannt, © Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin  Les Chiens à la Mode (1801 - 1817), Foto: Fotograf unbekannt<br />
© Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin Nürnberger Schimpfwörter (um 1795), Foto: Fotograf unbekannt<br />
© Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin

Wahlplakate, Politiker und ihre Karikaturen

Eines der wohl beliebtesten Ziele von politischen Karikaturisten war Otto von Bismarck (1815 - 1898). Kurz nach seinem Tode 1898 erschien „Bismarck in der Karikatur : 230 französische, englische, russische, italienische, amerikanische, Wiener, deutsche, Schweizer etc. Karikaturen“. Der Autor Karl Walther schreibt dazu in seiner Einleitung: „Fünfzig Jahre hindurch hat er den politischen Witzblättern aller Nationen Stoff geliefert, und wie ihre Spottbilder anfangs wesentlich dazu beitrugen, ihn zum „bestgehaßten“ Staatsmann zu machen, so hat er andererseits auch zu nicht geringem Teile seine ungemeine spätere Volkstümlichkeit ihnen zu danken gehabt. Eine Sammlung von Bismarck-Karikaturen, zusammengestellt aus den namhaftesten Witzblättern der verschiedenen Länder, wie sie das vorliegende Werk bietet, dürfte daher nach dem Tode des Altreichskanzlers wohl als zeitgemäßes Unternehmen gelten.“ (Vorwort, S. 1)

Auch die spätere deutsche Politik- und Parteienlandschaft besann sich zu Wahlkampfzwecken gerne auf die Karikatur.

CDU, Bundestagswahl 1976, Landesarchiv Baden-Württemberg KBW, Landtagswahl oder Bundestagswahl 1976, Landesarchiv Baden-Württemberg DKP, Landtagswahl 1984, Landesarchiv Baden-Württemberg

Die CDU zeigt zur Bundestagswahl 1976 den „deutschen Michel“ mit leeren Hosentaschen, denn „Sozialismus kostet viel“, während der Kommunistische Bund Westdeutschlands (KBW) zur selben Wahl Bundeskanzler Schmidt in einem Liegestuhl am Strand karikiert und einem Industriearbeiter unter sich. Zur Landtagswahl 1984 dann fordert die Deutsche Kommunistische Partei „Arbeitsplätze statt Raketen“ und zeigt oben einen Arbeiter mit Friedenstaube auf der Schulter und darunter den amerikanischen „Uncle Sam“ mit Rakete in der Hand und „Kriegstreiber“ auf der Schulter.

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Wer noch weiter stöbern möchte, hier geht es zu weiteren Karikaturen in der Deutschen Digitalen Bibliothek.

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