25.10.2017

"Digitale Nachhaltigkeit": 2. Informationstag Brandenburg.digital

Von Anita Szczukowski (Koordinierungsstelle Brandenburg-digital; Text und Bilder CC BY 3.0 Deutschland)

Mehr als 120 interessierte Teilnehmer verfolgten den 2. Informationstag Brandenburg.digital unter dem Titel „Digitale Nachhaltigkeit“, der am 13. September 2017 in den Räumen der Fachhochschule Potsdam stattfand.

Das zentrale Thema der Tagung spiegelte sich in Beiträgen zur Zugänglichkeit, zu den Inhalten der Kultureinrichtungen und zur digitalen Bestandserhaltung wieder. Alle Beiträge vermittelten verschiedene Ansätze zur Entwicklung und Gewährleistung von nachhaltigen Strukturen zur Bereitstellung und zur Bewahrung von Digitalisaten des kulturellen Erbes.

In ihrer Eröffnungsrede betonte Staatssekretärin Dr. Ulrike Gutheil vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg die Notwendigkeit, den schnell fortschreitenden Prozess der Digitalisierung technologisch, administrativ und finanziell nachhaltig zu organisieren. Sie machte auf die kürzlich abgehaltene Digitalisierungskonferenz „Digitalisierung mit menschlichem Maß gestalten“ in der Staatskanzlei aufmerksam, in der das Land Brandenburg die Digitalisierung auch im Kulturbereich als ein landesweites Anliegen in einem Statusbericht festhält und im bundesweiten Kontext in der Bereitstellung von Infrastrukturen führend agieren möchte.

Beim digitalen Fortschritt müssen verschiedene Prozesse und Technologien aufeinander abgestimmt werden, um digitale Daten langfristig erhalten und zugänglich machen zu können. Hierfür wird ein aufbauendes Konzept für das Land Brandenburg benötigt. In dem Zusammenhang stellte Prof. Dr. Mario Glauert, Sprecher des Arbeitskreises Brandenburg.digital, das neu veröffentlichte „Rahmenkonzept zum Erhalt des kulturellen Erbes im Land Brandenburg“, das kooperative Lösungswege zur dauerhaften Erhaltung und Zugänglichkeit von digitalem Kulturerbe aufzeigt.


Brandenburg.digital Nachbericht Bild1

Prof. Dr. Mario Glauert, Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Prof. Dr. Mario Glauert, Brandenburgisches Landeshauptarchiv

Das in enger Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Brandenburg.digital, unter der Federführung des Leiters Ulf Preuß, entwickelte Rahmenkonzept verfolgt das Ziel, eine landesweite spartenübergreifende Verbundlösung zu verwirklichen. Kaum eine kulturelle Institution hat die Möglichkeit eigenständige Infrastrukturen zu entwickeln und diese dauerhaft zu betreiben, weshalb eine Initiative und dauerhafte Unterstützung aller beteiligten Institutionen und des Landes bei dem Vorhaben notwendig sei (s. Preuß: Brandenburg.digital. In: Föderale Vielfalt – Globale Vernetzung. Strategien der Bundesländer für das kulturelle Erbe in der digitalen Welt. Hrsg.: v. Ellen Euler u. Paul Klimpel. Schriftenreihe: »Kulturelle Erbe in der digitalen Welt«. Bd. 2 Hamburg University Press. Seiten 52-69. DOI: dx.doi.org/10.15460/ddb.2.168).

Anschließend im Rahmen einer Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Jörn Sieglerschmidt, wurden Vertreter aus Forschungs- und Kultureinrichtungen sowie des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg eingeladen, sich über Strategien und Maßnahmen, die für die Nutzung und Erhaltung von digitalem Material getroffen werden müssen, auszutauschen. Fragen zur technischen Ausstattung, der Verfügbarmachung, der finanziellen und der rechtlichen Anforderungen sowie zur Vereinbarungen in der Entwicklung von spartenübergreifenden Standards wurden in den Diskussionen angestoßen.


Brandenburg.digital Nachbericht Bild2

Podiumsdiskussion, v.l.:  Martin Jank (Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“), Silke Kühlewind (Städte- und Gemeindebund Brandenburg), Prof. Dr. Michael Scholz Landesfachstelle für Archive und öffentliche Bibliotheken Brandenburg), Dr. Uwe Müller (Deutsche Digitale Bibliothek), Dr. Wolfgang Peters-Kottig (Konrad Zuse-Zentrum für Informationstechnik/KOBV Berlin)
Podiumsdiskussion, v.l.: Martin Jank (Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“), Silke Kühlewind (Städte- und Gemeindebund Brandenburg), Prof. Dr. Michael Scholz Landesfachstelle für Archive und öffentliche Bibliotheken Brandenburg), Dr. Uwe Müller (Deutsche Digitale Bibliothek), Dr. Wolfgang Peters-Kottig (Konrad Zuse-Zentrum für Informationstechnik/KOBV Berlin)

Bezugnehmend auf das Brandenburgische Archivgesetz, das zur Überführung von öffentlichem Archivgut in kommunale Archive verpflichtet, und auf den kürzlich erschienen Statusbericht zur Zukunftsstrategie Digitales Brandenburg riet Frau Silke Kühlewind vom Städte- und Gemeindebund dazu an, alle Organisationsstrukturen neu zu überdenken. Sie sieht große Chancen für nachhaltige und programmatische Initiativen, wenn umfangreichere Kooperationen, u.a. auch auf interkommunaler Ebene, geschaffen werden.  Dies bekräftigte auch Prof. Dr. Scholz als Vertreter des Arbeitskreises Brandenburg.digital und Leiter der Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken Brandenburg.

Im Hinblick auf die digitale Bestandserhaltung von großen audio-visuellen Datenmengen äußerte Herr Jank von der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf den Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv, das bereits das analoge Material sichert.
Dr. Wolfgang Peters-Kottig vom Konrad Zuse Institut für Informationstechnik Berlin (ZIB) erklärte, dass auf der Bundesebene noch keine Möglichkeit einer nachhaltigen Datensicherung angeboten werde. Bislang seien fast ausschließlich regionale, durch Fördermittel finanzierte Projekte, temporär mit den Systemen der Institutionen gesichert worden. Im Falle des Berliner Förderprogramms wurde die Verknüpfung am ZIB entwickelt und umgesetzt.   


Brandenburg.digital Nachbericht Bild3

"Blick auf die Nikolaikirche auf dem Alten Markt" (um 1855), Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte (CC BY-NC-SA 4.0 International)
"Blick auf die Nikolaikirche auf dem Alten Markt" (um 1855), Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte (CC BY-NC-SA 4.0 International)

Eine zentrale Herausforderung stellt nach wie vor die spartenübergreifende Bildung von Standards, um Daten sachgerecht beschreiben, übermitteln und speichern zu können, wie Dr. Uwe Müller von der Deutschen Digitalen Bibliothek erklärte: „Der Informationstag Brandenburg.digital hat aber vor allem auch einigen der vielfältigen Aktivitäten im Land ein Podium geboten, mit denen Kulturschätze digitalisiert und öffentlich gemacht werden. Das Engagement gerade der vielen kleinen Einrichtungen, die teilweise mit überaus knappen Ressourcen auskommen müssen, ist sehr beeindruckend. Veranstaltungen wie diese lassen sehr schön deutlich werden, wie entscheidend Initiative und Unterstützung vor Ort sind, um letztlich Angebote wie die Deutsche Digitale Bibliothek mit Inhalten des kulturellen Erbes zu füllen.

Im zweiten Teil der Tagung wurde eine Auswahl an Digitalisierungsprojekte vorgestellt, die u.a. mit Fördermitteln des Landes Brandenburg, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und mit der Unterstützung der Koordinierungsstelle Brandenburg.digital realisiert wurden. Die Spannweite der vorgestellten Projekte reichte thematisch vom Amateurfilm, über Heimatkalender und historische Ortsansichten, bis hin zu verschiedenen kooperativen Projekten aus dem Museumsbereich. Ergänzt wurde das digitale Bild um Webangebote einzelner Institutionen, namentlich dem Brandenburgischen Literaturbüro und der Plattform zeitstimmen.de, dem Sorbischen Institut und der Stiftung Brandenburg.

Zur Veranstaltung wird es wieder eine Dokumentation geben, welche primär als Netzpublikation frei verfügbar gestaltet werden wird. 

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