14.10.2014

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile - FH Potsdam veröffentlicht Beta-Version interaktiver Visualisierungen der Deutschen Digitalen Bibliothek

Epochen und Sparten

Wie kann man eine Sammlung von derzeit 10 Millionen digitalen Kulturobjekten erfassbar und erfahrbar machen? Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat eine Gruppe von Studierenden der Fachhochschule Potsdam eine Reihe interaktiver Visualisierungen entwickelt, die neue Perspektiven auf die Bestände der Deutschen Digitalen Bibliothek eröffnen. Ein "Work in Progress" ist diese erste Beta-Version, welche kontinuierlich weiterentwickelt werden soll.

Wenn man in einer großen Höhle mit einer Taschenlampe unterwegs ist, wird man niemals einen Überblick über die Höhle gewinnen können. Bei der klassischen Textsuche ist die Situation vergleichbar: Mit dem Suchschlitz „sieht” man immer nur einen kleinen Ausschnitt des Bestands, in dem man sucht; zudem muss man eine ungefähre Ahnung haben, was man überhaupt finden kann. Was man nicht mit passenden Suchbegriffen umschreiben kann, wird nicht gefunden.

Als Antwort auf dieses Problem bietet die Deutsche Digitale Bibliothek bereits eine Facettennavigation an. Aber auch die Facettennavigation ist textbasiert und kommt damit nur einem bestimmten Wahrnehmungstyp entgegen. Daher war die Aufgabenstellung an das Team um Prof. Dr. Marian Dörk vom Institut für Urbane Zukunft der Fachhochschule Potsdam, eine Reihe von Überblicksdarstellungen zu entwickeln, die die Verteilung der digitalen Objekte in der Deutschen Digitalen Bibliothek entlang der Dimensionen Zeit, Ort, Thema und beteiligte Personen sichtbar machen.

Übersichtsvisualisierung „Epochen & Sparten”

Epochen und SpartenDie vier entwickelten Darstellungen gruppieren sich um die Übersichtsvisualisierung „Epochen & Sparten”, in der die Anzahl digitaler Objekte in der DDB, aufgeschlüsselt nach Sparten, gegen die Zeit aufgetragen ist. Die Zeit ist dabei in Zeitabschnitte („Epochen”) gestaffelt, die immer gröber werden, je weiter man in der Zeit zurück geht; im 20. Jahrhundert sind die Epochen Jahrzehnte, im 19. und 18. Jahrhundert jeweils Vierteljahrhunderte, davor 50-Jahres-Abschnitte, usf. Per Maus-Klick lässt sich ein Overlay zur Epochenauswahl öffnen, das verbreitert und verschoben werden kann.

Die Balkendiagramme am rechten Rand geben über die ausgewählten Epochen summierte Objektzahlen wieder. Die kleineren weißen Säulendiagramme links davon schlüsseln diese Zahl nach Medientypen auf. Dadurch lässt sich beispielsweise mit wenigen Maus-Klicks herausfinden, wieviele Audiodateien mit Aufnahmen von Kompositionen, die zwischen 1875 und 1910 entstanden sind, sich in den Bibliotheksbeständen in der Deutschen Digitalen Bibliothek finden lassen. Eben diese Situation ist in der nebenstehenden Abbildung dargestellt.

Mehr als bloßes Sichtbarmachen - interaktive Interfaces

Die Visualisierungen bieten mehr als das reine Sichtbarmachen - sie sind als interaktive Interfaces ausgestaltet. Beispielsweise löst ein Klick auf eines der Balkendiagramme eine passende Suche im DDB-Portal aus. Auch der untere Teil der „Epochen und Sparten” ist klickbar gestaltet. Hier finden sich Begriffswolken zu den Dimensionen „Stichwort”, „Ort” und „Personen/Organisationen”. Beispielsweise taucht Goethes Verleger Cotta für die Epoche 1800-1825 an dritter Stelle der beteiligten Personen und Organisationen mit 1232 Einträgen in der Deutschen Digitalen Bibliothek auf.

Epochen und Sparten Ein Click auf die Überschrift „Personen/Organisationen” führt zur einer Visualisierung der in den Daten der Deutschen Digitalen Bibliothek vorhandenen Verknüpfungen, hier zwischen Personen und Organisationen, beispielsweise Autoren, Übersetzern und ihren Verlegern. Auch in dieser „Netzwerke”-Visualisierung sind sowohl die durch ausgefüllte Kreise dargestellten Personen und Organisationen als auch die sie verbindenden Linien mit Suchanfragen ins DDB-Portal verlinkt.

Zeigen, was nicht vorhanden ist

Epochen und Sparten Neben den Daten innewohnenden Strukturen und Verknüpfungen können und müssen gute Visualisierungen auch deutlich machen, was fehlt. Ein Beispiel ist das berühmte „Schwarze Loch des 20. Jahrhunderts", das vom Urheberrecht mit seinem weit zurückreichenden Arm gerissen wird. Eine kleine Rechnung verdeutlicht die Dimensionen: Ein 1865 veröffentlichtes Buch, dessen 20jähriger Autorin das doppelte Glück einer frühen Veröffentlichung und eines langen Lebens von 100 Jahren beschieden war, wird erst 70 Jahre nach ihrem Tod gemeinfrei, also im Jahre 2015. Die Folgen dieser Rechtslage für die Verfügbarkeit digitalisierter Bücher sieht man auf einen Blick in der „Epochen”-Visualisierung.

Weitere Zusammenarbeit

Die Deutsche Digitale Bibliothek und die Fachhochschule Potsdam planen im Rahmen einer langfristigen Zusammenarbeit die Potenziale und Herausforderungen, die ein derart umfassender und heterogener Bestand bietet, zu erforschen. Ein Schwerpunkt wird auf dem Nutzwert für die Nutzerinnen und Nutzer der Deutschen Digitalen Bibliothek und die Übertragung von Studien wie den heute veröffentlichten Visualisierungen in die alltägliche Praxis liegen.

Die Visualisierungen wurden von Christopher Pietsch, Gabriel Credico und Christian Bernhardt unter wissenschaftlicher Betreuung von Prof. Dr. Dörk im Auftrag der Deutschen Digitalen Bibliothek umgesetzt.

Zu den Visualisierungen „DEUTSCHE DIGITALE BIBLIOTHEK VISUALISIERT”

Hinweis:

Die Visualisierungen wurden im Hinblick auf die aktuellen Versionen der vier meistverwendeten Browser entwickelt (Juni 2014): Chrome 35, Safari 7, Firefox 30, Internet Explorer 11. Die Visualisierungen sind nicht für mobile Geräte optimiert.

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