03.04.2017

Chroniken, Tiergeräusche und immer wieder Rigoletto: Die Leipziger Buchmesse 2017

Der diesjährige Stand der Deutschen Digitalen Bibliothek ist in Halle 5, zwischen taz-Studio, einer kleinen Tischlerei, der Blogger-Lounge und dem Stand der Stadt Magdeburg. Viele Besucher führt es an diesen Tagen, vom 23.-26. März, in die Halle und zu uns. Einige kennen die Deutsche Digitale Bibliothek schon, andere noch nicht. Wir recherchieren gemeinsam mit den Besuchern, betrachten historische Fotografien des Stadtarchivs Speyer und gemeinfrei lizenzierte Werke der Berlinischen Galerie, hören uns den Mississippi-Alligator aus dem Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin an und spielen mehr als einmal die alte Schellack-Aufnahme von „La donna è mobile“ aus Rigoletto der SLUB Dresden ab. Die historischen Tier- und Opernstimmen fügen sich harmonisch in das lebendige Stimmengewirr der Halle 5 ein.

285.000 Menschen besuchen in diesen vier Tagen die Leipziger Buchmesse. Über 2.400 Aussteller aus 43 Ländern stellen Neuerscheinungen und Projekte vor. Das Schwerpunktland Litauen allein tritt mit rund 100 Mitwirkenden in 60 Veranstaltungen auf. Unser Versuch einen litauischen Krimi zu erstehen, scheitert allerdings: „Krimis haben wir nicht. Wir sind ein eher melancholisches Volk“, sagt uns die junge Buchhändlerin.


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Der Stand der Deutschen Digitalen Bibliothek in Halle 5; Foto: Hansgeorg Schöner
Der Messestand der Deutschen Digitalen Bibliothek auf der Leipziger Buchmesse 2017; Foto: Hansgeorg Schöner

Messeerlebnisse: Ein Staatssekretär, Sophie Scholl und das Deutsche Historische Museum

Die vier Messetage bescheren allen viele Begegnungen, Gespräche und Eindrücke. Am Freitag besucht uns Steffen Freiberg, seit 2016 Staatssekretär für die Bereiche Schulen und politische Bildung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern und ausgewiesener Kenner der IT-Branche. Mit Astrid B. Müller, verantwortlich für Kommunikation, Presse und Marketing bei der Deutschen Digitalen Bibliothek, bespricht er den aktuellen Entwicklungsstand der DDB, insbesondere in Bezug auf die mecklenburg-vorpommerschen Einrichtungen. Dabei wird auch thematisiert, dass digitale Angebote die Sichtbarkeit der Einrichtungen erhöhen und zu mehr Besuchern auch vor Ort führen: „Das Interesse Mecklenburg-Vorpommerns an der Entwicklung der Deutschen Digitalen Bibliothek freut uns sehr, denn die Bereitschaft und Fähigkeit aller Kultureinrichtungen – gleich welchen Genres oder welcher Größe – ist die Voraussetzung für das kontinuierliche Wachsen der Deutschen Digitalen Bibliothek. Unser Anspruch ist es ja, das kulturelle Spektrum so umfassend wie möglich abzubilden.“


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Astrid B. Müller (links) mit Staatssekretär Steffen Freiberg (Mitte); Foto: Hansgeorg Schöner

Auch unser Kollege Wolfgang Krauth, Referatsleiter am Landesarchiv Baden-Württemberg und Ansprechpartner für die archivfachliche Koordinierung der DDB, zeigt sich beeindruckt von der Vielfalt der Leipziger Buchmesse und seinen Erfahrungen während der Tage am Stand: „Besonders schön und spannend finde ich, dass das Publikum eine solche Bandbreite hat, einfach Leute, die interessiert sind. Sei es inhaltlich, weil sie Genealogie und Familienforschung betreiben oder einfach an einem bestimmten Thema Interesse haben. Wir hatten zum Beispiel eine Besucherin, die in Ulm wohnhaft ist und alles zu Sophie Scholl wissen wollte. Außerdem hatte ich viele tolle Gespräche zu Themen wie Onlinestellung, Urheberrechtsfragen und Digitalisierung. Klasse!“


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Wolfgang Krauth im Gespräch mit einer Besucherin; Foto: Hansgeorg Schöner
Wolfgang Krauth im Gespräch mit einer Besucherin; Foto: Hansgeorg Schöner

Sabine Quander, verantwortlich für das Sekretariat der Geschäftsstelle der Deutschen Digitalen Bibliothek in Berlin, ist speziell ein Erfolgserlebnis im Gedächtnis geblieben: „Der Vorstand eines Heimatvereins in Sachsen war bei uns am Stand und suchte schon seit längerem die Chroniken seines Ortes, hatte sie aber nirgendwo gefunden. Er wusste nur, dass die Unterlagen noch zu DDR-Zeiten nach Berlin geschickt worden waren. Wir haben dann gemeinsam nach dem Namen des Ortes in der DDB recherchiert und tatsächlich herausgefunden, wo die Chroniken heute sind: am Deutschen Historischen Museum in Berlin.“

Thementouren, neugierige Schulklassen und der Musiklehrertag

Zum ersten Mal finden dieses Jahr die „Thementouren“ für Schulklassen statt. Eine der Stationen im Rahmen der Thementour „Digitale Medien“ ist der Stand der Deutschen Digitalen Bibliothek. Hier werden die Schüler der 8., 9. und 12. Klassen von Nadine Seidu, Projektkoordinatorin des Archivportals-D, begrüßt. Drei Aufgaben müssen sie bei uns lösen, bevor die Rallye weitergehen kann. Wurden an allen Stationen die Aufgaben korrekt gelöst, können die Schüler an einem Gewinnspiel teilnehmen. Zu den Zielen sagt Nadine Seidu: „Wir haben bei der Thementour „Digitale Medien“ gerne mitgemacht, um Schulklassen das Rechercheangebot vorzustellen. Insgesamt waren elf Schulgruppen jeweils mit Lehrer oder Lehrerin bei uns und haben recherchiert, sich aber auch mit der Rechtesituation beschäftigt und den verschiedenen Sparten: Museen, Archive, Bibliotheken etc. Bei der Recherche haben wir uns an Schulthemen orientiert, zum Beispiel der Suche nach Athen und haben geschaut, wie viele Objekte aus Museen bereitgestellt werden. Das Ziel war, die Kombination der Recherchemöglichkeiten wahrzunehmen, also nicht nur den Volltext-Suchschlitz, weil den alle kennen und gerne benutzen, sondern auch die Filtermöglichkeiten der Deutschen Digitalen Bibliothek.“

Die Resonanz der Schüler auf die Deutsche Digitale Bibliothek war sehr positiv, berichtet Nadine Seidu: „Es gab eine große Anzahl von Schülern, die sehr interessiert waren, die auch überraschenderweise viele eigene Projekte schon machen, wie eigene Webseiten. Ein Schüler hat gefragt, welche Datenbank wir nutzen, er würde gerade an seiner MySQL-Datenbank arbeiten. Ein anderer Schüler hat sich sehr gefreut und gesagt, das Portal sei „hammergeil“.“ Dem haben wir auch eigentlich nichts hinzuzufügen.


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Nadine Seidu (am Monitor) mit einer der teilnehmenden Schulklassen der Thementour "Digitale Medien"; Foto: Hansgeorg Schöner
Nadine Seidu (am Monitor) mit einer der teilnehmenden Schulklassen der Thementour "Digitale Medien"; Foto: Hansgeorg Schöner

Am zweiten Messetag, Freitag, den 24. März, findet ganztägig im Congress Centrum der Messe der „Musiklehrertag“ statt, an dem wir mit dem Vortrag „Musik, Töne und Geräusche jederzeit und überall – Audiomaterialien in der Deutschen Digitalen Bibliothek“ teilnehmen. Astrid B. Müller stellt den anwesenden Lehrern kurz das Portal und seinen Auftrag vor, bevor Karolin Schmahl, verantwortlich für die Fachstelle Mediathek-Fotografie und Mediathek-Ton, die unterschiedlichen Audiomaterialien der Deutschen Digitalen Bibliothek präsentiert.

Besonders interessant sind historische Tonaufnahmen, die neben der Bewahrung des kulturellen Musikerbes auch den forschenden Blick auf die Geschichte der Technik- und Trägermedien erlauben. Eines der Sammlungshighlights ist das „Archiv der Stimmen“ der SLUB Dresden, in dem sich rund 16.000 Aufnahmen auf überwiegend sehr seltenen Schellackplatten aus der Zeit von 1896 bis 1960 befinden. Neben den Audiomaterialien lenkt Karolin Schmahl auch den Blick auf die Personenseiten der Deutschen Digitalen Bibliothek, wo viele Komponisten und Künstler vertreten sind, ebenso wie auf die vielfältigen Notenblätter und das oben schon erwähnte Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin.

Wir haben uns auch dieses Jahr sehr über die vielen Besucher, ihr Interesse, die tollen Gespräche und Begegnungen gefreut. Bedanken konnten wir uns bei ihnen ganz undigital: Mit den „DDB Geschichten“ – über Seeleute, Speisekarten, Bärte oder historische Patentzeichnungen – zum Mitnehmen.


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Die DDB-Geschichten zum Mitnehmen; Foto: Hansgeorg Schöner
Die DDB-Geschichten zum Mitnehmen; Foto: Hansgeorg Schöner

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