13.01.2015

Bienenzucht, Pest und Hausfrauentipps: Historische Ratgeberliteratur

Bienenzucht

Längst ist Ratgeber-Literatur salonfähig - von Tipps, wie mit chronischer Prokrastination umzugehen ist bis zu Astrophysik für Dummies - und spätestens zur Zeit der guten Vorsätze im Januar unabdingbar. Als Thema des Monats stellen wir deshalb unterschiedlichste Ratgeber vor - ganz vorn dabei: die Bienenzucht! (Für diejenigen, die ein neues Hobby für 2015 suchen).

„Allgemeine Grundsätze der Bienenzucht“ erschien 1773 in Berlin. Gleich der erste Satz macht die Hoffnung des Autors offenkundig: „Die Noth und der Mangel machen die Menschen geschäftig, und durch gemeinschaftliche Bedürfniße gedrückt, erwacht in jedem der Trieb, etwas zur Verminderung des allgemeinen Uebels beyzutragen.“ Sich auf rezente Hungersnöte beziehend (vermutlich die in Sachsen und der Lausitz ausgelöste Hungersnot durch Überschwemmungen und nasskalte Witterung 1771/72), ist die Gewinnung von Honig für den Autor eine Lösung für den Mangel an Nahrungsmitteln. Aus heutiger Sicht war der hierauf folgende verstärkte Kartoffelanbau für die damalige Bevölkerung ein effektiveres Mittel gegen Hungersnöte bei Lebensmittelknappheit, doch sollten die Bienen in diesem Ratgeber die Hauptrolle spielen.

Angefangen bei allgemeinen Anmerkungen zu Bienen und zu „Bienenhäusern und ihrer besten Lage“ bis zum Kauf von Bienen und ihren „vornehmsten Feinden“, den Mäusen, findet der zukünftige Imker eine Vielzahl weiterer Informationen zur korrekten Bienenhaltung und ihren Tücken.

Gut 100 Jahre früher veröffentlicht Laurentius Gieseler, ein Arzt aus Braunschweig, einen Ratgeber zum Umgang mit der Pest: „Kurtze/ aber nöhtige Anweisung/ wie sich ein jeder bey dieser sehr sorgsamen/ gefährlichen und weit umb sich greiffenden Pest-Seuche fürsehen/ præserviren und curiren sol/ Auff E. E. Hochweisen Rahts allhie zu Braunschweig löbliche Verordnung schuldigst auffgesetzet“ (1680).

Gieseler identifiziert zweierlei Arten von Pest, eine von Gott gesandte und eine durch „Dünste“ bzw. die Luft übertragene. Bei ersterer hofft Gieseler, dass sie die Menschen nicht treffen möge, bei letzterer empfiehlt er: „Es müssen alle Abend die Märckte/ da Garten Früchte und Hocken-Waaren feil gehalten werden/ wieder rein gemacht/ auch die Häuser/ worin viel Vieh geschlachtet wird/ deren Blut offte hauffenweise auß den Häusern durch die Gassen läufft/ und allda leicht stinckend wird/ so sehr schädlich/ mit frischem Wasser wieder abgespület/ und die Gassen von allem Unflat gereiniget werden.“ (S. 7)

Hausfrauenratgeber

Amüsante Lektüre aus heutiger Sicht bietet „Die tüchtige Hausfrau: ein Wegweiser und Ratgeber für alle Frauen und solche die es werden wollen“ von 1891. Recht unbescheiden verkündet der Autor, dass er „an diese kleine Arbeit herantrete, so geschieht es in der Voraussetzung, daß ich den Frauen durch die Zusammenstellung Alles dessen, was nach meinem Dafürhalten die tüchtige Hausfrau ausmacht, einen Dienst erweise. Ich glaube durch die folgenden Zeilen mancher jungen Gattin einen Fingerzeig zu geben, warum ihr junges Heim nicht so gemütlich ist, wie sie es geträumt und wie es sein könnte, warum sie mit ihrem Wirtschaftsgeld trotz aller Anstrengung nicht auskommen kann und ständig mit dem Gatten dieserhalb hadern muss…“ (S. VI) Leider nicht überliefert ist der Erfolg dieser Publikation.

Das „Alphabetische Taschenbuch der hauptsächlichsten Rettungsmittel für todtscheinende und in plötzliche Lebensgefahr gerathene Menschen“, 1796 von Vincent Adalbert Zarda im Selbstverlag veröffentlicht, gibt dem „Nichtarzt“ Mittel und Wege an die Hand, schwerverletzten Mitbürgern mittels Arzneien und chirurgischen Eingriffen zu helfen. Hierauf folgt die alphabetische Aufzählung und Erläuterung medizinischer Notfälle, von Augenentzündungen bis zu Epilepsie oder Stürzen aus großer Höhe. Aus medizinisch-historischer Sicht ein spannendes Zeitdokument – Leseempfehlung!

Weitere Ratgeber in der Deutschen Digitalen Bibliothek:

Verhaltungsregeln für Schwangere, Gebährende und Kindbetterinnen in der Stadt und auf dem Lande (1787)

Taschenbuch für Kammerjungfern, Kammerfrauen, Kammerdienerinnen, und Stubenmädchens (1776)

Kleiner Ratgeber für Leute, die den Friedhof lieb haben : christliche Grabschriften (1885)

Feuerbüchlein für die liebe Schuljugend auch für Erwachsene brauchbar : worinn sie durch verschiedene merkwürdige Exempel vor Unachtsamkeit mit dem Feuer gewarnt, und zur Behutsamkeit bei dem Gebrauche desselben ermahnet wird (1796)

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