08.05.2015

70 Jahre Kriegsende – Zeithistorische Dokumente in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Die bedingungslose Gesamtkapitulation Deutschlands wurde im Alliierten Hauptquartier in Reims am 7. Mai 1945 und im Sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst in der Nacht des 8. Mais unterzeichnet. Der Zweite Weltkrieg, zumindest in Europa, war damit beendet. Zum Gedenken an 70 Jahre Kriegsende sollen hier nun einige der zeithistorischen Dokumente vorgestellt werden – Flugblätter, Fotografien, Archivalien und Objekte – die sich in den Beständen der Deutschen Digitalen Bibliothek befinden und die unterschiedliche Aspekte der letzten Kriegsjahre und des Kriegsendes dokumentieren.

Wilhelm Keitel, der für das Oberkommando der Wehrmacht die Kapitulationsurkunde in Berlin-Karlshorst unterzeichnet.

Wilhelm Keitel, der für das Oberkommando der Wehrmacht die Kapitulationsurkunde in Berlin-Karlshorst unterzeichnet.
Pfungstadt, 1945 Mai / weiße Beflaggung einer Ortsstraße beim Einmarsch der amerikanischen Armee, mit Bildlegende in englischer Sprache

Pfungstadt, 1945 Mai / weiße Beflaggung einer Ortsstraße beim Einmarsch der amerikanischen Armee, mit Bildlegende in englischer Sprache
Pfungstadt, 1945 Mai / weiße Beflaggung einer Ortsstraße beim Einmarsch der amerikanischen Armee, mit Bildlegende in englischer Sprache

Die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation war für die Menschen nur noch von geringem Interesse, denn für sie ging das Ende des Krieges oftmals schon vorher, nämlich mit der Besatzung ihrer Stadt durch die Alliierten ab Herbst 1944, einher. Fotografien der amerikanischen Besatzungstruppen befinden sich in den Beständen des Hessischen Staatsarchivs, die unter anderem die Überquerungen des Rheins durch die Amerikaner zeigen.
 

Deutschland (Drittes Reich), 1945 März 23 / Rheinüberquerung durch Truppen der 3. US-Armee / Gruppenaufnahme von Soldaten mit Panzern auf Flößen

Deutschland (Drittes Reich), 1945 März 23 / Rheinüberquerung durch Truppen der 3. US-Armee / Gruppenaufnahme von Soldaten mit Panzern auf Flößen
Deutschland (Drittes Reich), 1945 März 23 / Rheinüberquerung durch Truppen der 3. US-Armee / Gruppenaufnahme von Soldaten mit Panzern auf Flößen

In den Beständen des Landesarchivs Baden-Württemberg, des Stadtarchivs Heilbronn und des Hessischen Staatsarchivs finden sich zudem Flugblätter und Archivalien, die die Gegenpropaganda der Alliierten beleuchten

"Was Kapitulation bedeutet:" alliiertes Flugblatt

"Was Kapitulation bedeutet:" alliiertes Flugblatt

Im Frühjahr des Jahres 1945 warfen die Alliierten über Deutschland Flugblätter ab, z.B. „Was Kapitulation bedeutet“ und „Todeszonen werden geräumt“. Im Landkreis Rastatt hingegen wurde in allen Gemeinden der Aushang „Wessen Schuld?“ aufgehängt, der mit Fotografien von amerikanischen Heeresberichterstattern, aufgenommen direkt nach der Befreiung des KZ Landsberg am Lech, den Völkermord zeigen:

„Amerikanische Truppen, die auf ihrem raschen Vormarsch durch Deutschland die berüchtigten Konzentrationslager der Nazis überrannten, stießen immer wieder auf Greueltaten, die in ihrem Sadismus und ihrer planmäßigen Ausführung die Herzen der ganzen Menschheit aufwühlen.

Mit teuflischer Grausamkeit sind Hunderttausende von Menschen gefoltert, zu Tode geprügelt, lebendig verbrannt oder vergast worden. Hierfür wurden Beweise gefunden, die durch eine Fülle von Aussagen der noch überlebenden Insassen erhärtet werden. [….]
 
In den Vernichtungslagern von Sachsenhausen, Buchenwald, Auschwitz, Celle, Ohrdruf, Dachau, Kislau und Vaihingen und vielen anderen sind nicht nur Männer, sondern auch Frauen, Greise und sogar Kinder den durch Rassendünkel entmenschten Hitler-Henkern zum Opfer gefallen. Die Schuld der Gemarterten bestand darin, Russen, Polen, Juden, Franzosen oder Tschechen gewesen zu sein. Andere wurden deshalb gefolgert, weil sie sich zu den einfachsten Idealen der menschlichen Freiheit und der menschlichen Würde bekannten.
 

"Wessen Schuld?", Aushang in allen Gemeinden des Landkreises Rastatt

"Wessen Schuld?", Aushang in allen Gemeinden des Landkreises Rastatt

Es gibt da nichts wegzuleugnen. Es gibt keine Sühne für die Verbrechen, welche die Nationalsozialisten und ihre Henkersknechte auf sich geladen haben. Das Gefühl einer ungeheuren Schuld muss alle Gewissen in Deutschland aufs tiefste erschüttern.“ (Text des Aushangs "Wessen Schuld?")
 

Konzentrationslager Dachau; Leichenberg

 Konzentrationslager Dachau; Leichenberg
Konzentrationslager Dachau; Leichenberg, Fotograf: William Wertheimer (US-Offizier) 1945

Weitere Fotografien und Dokumente in der Deutschen Digitalen Bibliothek zu den Konzentrationslagern

Das Kriegsende war mit Befreiung und Hoffnung verbunden, aber ebenso mit Verlust und Zerstörung. Viele deutsche Städte lagen in  Trümmern und damit Infrastruktur und Versorgungswege. Das Stadtarchiv Karlsruhe verfügt über breite Bestände von amerikanischen Luftbildaufnahmen der Kriegszerstörungen, ebenso wie die Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), deren Bestände die kriegszerstörte Stadt Dresden zeigen.

Trümmerstadt Dresden

Trümmerstadt, März 1951 Bild: Höhne, Erich (Fotograf); Pohl, Erich (Fotograf) (1951)
Trümmerstadt Dresden, März 1951 Bild: Höhne, Erich (Fotograf); Pohl, Erich (Fotograf) (1951)

Trotz der Zerstörungen versuchten die Menschen einen Neuanfang – so wie der Vater von drei Töchtern, der im ausgebombten Chemnitz 1945 seinen Mädchen Teddybären nähte, die heute in den Beständen des Museums Europäischer Kulturen zu finden sind – unter ihren Originalnamen „Fritzl“ und „Hansl“. Not macht kreativ war auch die Devise bei diesem Objekt: Dem Stahlhelm-Nudelsieb.

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