Digital Cultural Heritage and digital access to culture in Hamburg

Our publication "Federal Diversity – Global Networking: Strategies of the Federal States for the Cultural Heritage in the Digital World" (released in September 2016) for the first time provides a more comprehensive overview of the activities for the mediation and networking of the cultural heritage of each federal state in Germany.

We publish the individual contributions successively in the order of the table of contents (in German language only). In addition, the contributions can be downloaded as a PDF file and – since they are licensed under CC BY-ND 4.0 Creative Commons – used subsequently. A list of all articles already published can be found in the background information

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Digital Cultural Heritage and digital access to culture in Hamburg 

Anke Hönnig und Horst Schulz für die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg

1. Einleitung

Während der Einfluss von der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in vielen Lebensbereichen deutlich sichtbar und damit längst Realität ist, ist der IKT-Einsatz im Kulturbereich unter der Bezeichnung eCulture längst nicht selbstverständlich. Das Internet und die Digitalisierung medialer Inhalte bieten dem kulturellen Sektor und seinen Einrichtungen zunächst einmal neue Möglichkeiten. Durch die neuen Kommunikations- und Rezeptionsgewohnheiten verändern sich allerdings notwendigerweise auch die Anforderungen an die Kultureinrichtungen.

Mit dem Einsatz von IT-Technik erschließen sich zudem neue Formen insbesondere der kulturellen Bildung und Teilhabe, einem wesentlichen Teil des öffentlichen Auftrags kultureller Einrichtungen. Die Digitalisierung von Sammlungen und Beständen sowie die Online-Bereitstellung von kulturellen Inhalten bieten neue Möglichkeiten der Vermittlung, der wissenschaftlichen Nutzung und der Vermarktung. Die Funktion und Relevanz staatlich geförderter Kultureinrichtungen mit der tradierten Rollen- und Funktionsteilung von Besuchern und hauptamtlichen Fachleuten werden durch Social Media und digitale Beteiligungsmöglichkeiten verändert.

2012 hat der Hamburger Senat im Rahmen seiner IT-Strategie den Auftrag erteilt, dass „alle Bürgerinnen und Bürger digitalen Zugang zu den Kulturgütern unserer Stadt erhalten sollen. Staatliche Einrichtungen, die Kulturgüter in ihrer Obhut haben und die künstlerische Prozesse anstoßen, sollen ihre Bestände digital erschließen und der Öffentlichkeit anbieten können“.

Die Kulturbehörde hat unter dem Titel „eCulture Agenda 2020 – Digitale Zugänge zur Kultur schaffen“ den Senatsauftrag in eine ressortspezifische Strategie umgesetzt, die sich durch folgende Besonderheiten auszeichnet:

- Erstmals wird ein strategischer Ansatz vorgelegt, der die Bedeutung des Kulturwandels durch digitale Mediennutzungsgewohnheiten von Kulturschaffenden und Kulturnutzern und die sich daraus ergebenden Handlungsbedarfe für die kulturellen Einrichtungen aufzeigt.

- Die Strategie ist kulturspartenübergreifend (Museen, Musik und Theater, Bibliotheken, Kreativsektor, Denkmalschutz, Staatsarchiv etc.) und in der Perspektive auch ressortübergreifend (insb. Bildung und Wissenschaft) angelegt.

Digitalisierungsprojekte in einzelnen Institutionen gab es in Hamburg schon seit etlichen Jahren. Exemplarisch stellt das Staatsarchiv hier seine Maßnahmen dar.

Bei der Digitalisierung von Archivgut im Staatsarchiv Hamburg steht neben dem Schutz der Originale vor allem die Erleichterung des Zugangs für Wissenschaft und Öffentlichkeit durch eine digitale Nutzung „am Bildschirm“ im Mittelpunkt. Dabei stützen sich Digitalisierungsprojekte auf fachliche Rahmenvorgaben und orientieren sich gleichzeitig an Erfahrungen anderer Archive in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Synergieeffekt bei der Digitalisierung ist die Entlastung des Lesesaal- und Magazindienstes sowie der Fotowerkstatt. Durch diese Rationalisierung können auch interne Arbeitsabläufe trotz stagnierender finanzieller Ressourcen optimiert werden. Gleichzeitig wird durch die Online-Stellung der Digitalisate der historischen Forschung und interessierten Bürgern das kulturelle Gedächtnis Hamburgs in breiterem Umfang, zusammen mit einem erhöhten Nutzungskomfort, zugänglich gemacht. Damit einher gehen der Schutz häufig benutzter Unterlagen und die Sicherung von Archivgut, das von irreversiblem Substanzverlust bedroht ist.

2. Digitale Agenda des Landes und Status quo

- Die Kernanliegen der eCulture Agenda 2020 sind:

- Die Unterstützung der Kulturbereiche bei der Entwicklung und Nutzung digitaler Angebote und Begleitung der Institutionen bei Entwicklungsprozessen in die digitale Welt,

- Vernetzung von Kultureinrichtungen, um digitalen Angeboten eine größere Relevanz und Wirkung zu verschaffen,

- Ergänzung gesamtstädtischer Konzepte zur Verbesserung von Integration und kultureller Bildung,

- Ansprache von Nutzergruppen, für die die digitale Welt zur Selbstverständlichkeit des Alltags gehört („Digital Natives“),

- Schaffung barrierefreier Angebote,

- Stärkung kultureller digitaler Angebote im gesamtstädtischen Smart City Konzept („Digitale Stadt“).

Die Besonderheit dieser Strategie liegt darin, dass Maßnahmen spartenübergreifend angelegt sind und sich damit nicht nur spezifisch auf Museen und Theater, sondern auch auf den Musikbereich, Denkmalschutz, Bibliotheken, Archive, darunter auch das Staatsarchiv, und den Kreativsektor und ihre Wechselwirkungen beziehen. Die Strategie bezieht sich also auf den Kultursektor insgesamt und ist darauf gerichtet, dass sich öffentliche und private Kultureinrichtungen stärker vernetzen, um Synergien zu bilden und so den digitalen Angeboten eine größere Relevanz und Wirkung verschaffen. Ziel ist neben der intelligenten Steuerung vor allem die Förderung der aktiven Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger an gesellschaftlichen Trends und Entwicklungen durch Zugang zu Informationen sowie deren Vernetzung und Weitergabe.

Neben den üblicherweise im Zusammenhang von eGovernment genannten Handlungsfeldern Umwelt, Verkehr, Gesundheit und Wirtschaft betrifft dies auch die Kultur. Die Veränderung von Kommunikations- und Rezeptionsverhalten führt dazu, dass Kulturinstitutionen ihr Angebot radikal anpassen müssen, um in den Köpfen nachwachsender Generationen relevant zu bleiben.

Der IT-Planungsrat des Bundes und der Länder hat in seiner Studie „Zukunftspfade – Digitales Deutschland 2020“ auf Initiative Hamburgs die Handlungsfelder inzwischen um den Bereich „Kultur digital“ erweitert.

Mit der eCulture Agenda 2020 leistet die Kulturbehörde also einen Beitrag zur Umsetzung des Konzeptes „Digitale Stadt“. Dementsprechend hat der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg das Handlungsfeld Kultur in seinem Konzept zur digitalen Stadt (Zugänglichkeit von Kultur- und Bildungsangeboten) besonders hervorgehoben:

„Wirtschaft, Forschung und Bildung sind tragende Kräfte der Digitalisierung. Durch die Digitalisierung der Stadt sollen Innovationsräume für kleine und große Unternehmen und unternehmerische Gründungen („Startups“) geöffnet werden, um neue Geschäftsprozesse, neue digitale Geschäftsmodelle und neue Techniken in Hamburg zu entwickeln, zu bauen und anzuwenden. Die öffentliche Verwaltung sorgt in ihrem Einflussbereich für organisatorische Rahmenbedingungen und rechtliche Strukturen, die technische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovationen und die ihnen zu Grunde liegende Forschung begünstigen. Sie sorgt auch dafür, dass Wissen um die Digitalisierung in die Bildungsinhalte einfließt und die digitale Zugänglichkeit von Bildungs- und Kulturangeboten gewährleistet ist.“

Programmlinien mit Projektübersicht

Auf der Basis der eCulture Agenda 2020 wurden Grundsatzgespräche mit einer Vielzahl von Kultureinrichtungen geführt. Nach anfänglicher Skepsis, die auch von den üblichen Sorgen mit Blick auf den bevorstehenden Strukturwandel üblicherweise zu erwarten waren, haben sich die Institutionen der Entwicklung inzwischen weitestgehend geöffnet. Als besonders kreativ und nachhaltig haben sich dabei in den Jahren 2013 und 2014 zwei je dreitägige „Summer Schools“ in London erwiesen, zu denen Vertreter Hamburger Kultureinrichtungen mit britischen Partnern aus dem Kultur- und Kreativbereich, der Universität und der Londoner Kulturadministration zu Workshops zusammentrafen. Auf dieser Basis wurde eine Vielzahl von Digitalisierungsprojekten entwickelt und entsprechende Anträge in die Budgetverhandlungen zum städtischen Haushalt Hamburgs eingebracht.

Ausgewählte Projektbeispiele

In Hamburg werden nicht erst seit dem Beginn des systematischen Inventarisierungsprojektes im Jahr 2007 in den staatlichen Museen große Mengen an digitalen Daten produziert. Diese Daten stehen, oft z. B. aus urheberrechtlichen Gründen völlig zu Recht, nur selten einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung. Die musealen Fragestellungen an diese Daten sind zudem häufig sehr eingeschränkt, da sie vornehmlich der Dokumentation und inhaltlichen Erschließung der Sammlungen dienen. Dennoch verfügen die Kultureinrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg schon jetzt über qualitativ sehr hochwertige Daten, die für eine größere Öffentlichkeit einen erheblichen Mehrwert darstellen und sicher wahrgenommen werden würden, z. B. die Digitalisate von historischen Fotos, wenn sie in einer gut zugänglichen Weise veröffentlicht und frei zur Verfügung stehen würden.

Einige Projekte konnten in den vergangenen Jahren bereits realisiert und auf den Weg gebracht werden, insbesondere im Museumsbereich. Dort wurden Ausstellungen durch digitale Elemente wie Multimediapräsentationen, aber auch durch thematische Webseiten, Blogs oder Apps für mobile Endgeräte ergänzt und die Erschließung von Gebäuden durch WLAN vorangetrieben.

a) Kulturpunkte Hamburg

Ein weiteres beachtliches Ergebnis ist das mobile Kulturportal in Form einer App „Kulturpunkte Hamburg“. Die „Kulturpunkte Hamburg“ sind das erste mobile Kulturportal Hamburgs. Sie sind Teil einer App-Initiative der Kulturbehörde (www.kulturpunkte.de). Der Nutzer erhält auf vielfältige Weise authentisch und werbefrei Zugang zu ca. 400 Orten der Stadt, an denen Kultur erlebbar ist, wie Theater, Museen, Galerien, Stadtteilzentren und Geschichtswerkstätten, Gedenkorte und Bibliotheken. Es wurde großer Wert auf die Möglichkeit gelegt, von den einzelnen Stationen durch Verlinkung zu den aktuellen Angeboten der Kultureinrichtungen zu gelangen, zum Veranstaltungskalender oder zum Ticketing sowie darauf, sich aus der großen Zahl der Angebote jene Kulturpunkte aussuchen zu können, die von Interesse sind, und diese individuell zu einem Rundgang auf dem Hamburger Stadtplan zusammenstellen zu können.

Die beeindruckende Menge und Bandbreite der teilnehmenden Institutionen, aber auch die große Zahl der inzwischen rund 35 000 Downloads zeigen den Bedarf und das Interesse an einem leichten und digitalen Kulturzugang.

Die Applikation wird kontinuierlich erweitert und aktualisiert, mit multimedialen Elementen ausgestattet, wie z. B. Audiotouren, und an technische Innovationen angepasst.

b) eFoto

Das Projekt eFoto beschreibt den Aufbau eines gesamtstädtischen virtuellen Bildarchivs (www.efoto-hamburg.de). Ziel ist, eine gemeinsame technische Plattform mit weiteren Institutionen wie dem Staatsarchiv, den stadthistorischen Museen, den Geschichtswerkstätten und anderen Hamburger Fachbehörden aufzubauen. Soziale Medien werden dabei gezielt eingesetzt, um das Wissen der Bevölkerung zu nutzen, etwa bei der Identifizierung von Bild-motiven.

Aktuell werden IT-Infrastrukturen aufgebaut und erste Anwendungen für das Web und mobile Endgeräte erarbeitet.

Dieses Projekt soll sowohl nach innen (Unterstützung der Arbeitsabläufe in den Ämtern und Behörden) wie auch nach außen (Zugänglichkeit der Bilder für die Öffentlichkeit über Portale und elektronische Produkte) wirken. Gerade der letzte Punkt ist von zentraler Bedeutung. In der Freien und Hansestadt Hamburg werden an den verschiedenen Stellen mehrere Millionen historischer Fotos aufbewahrt. Es wird darum gehen, diesen „Schatz“ nutzbar zu machen. Im Rahmen des Projektes wird derzeit mit der Universität Hamburg („Digitale Geisteswissenschaften“) und einem technischen Dienstleister eine App entwickelt, die Modelle für eine Nutzbarmachung dieser digitalen Fotos unter Einbindung sozialer Medien (Wissens-Crowdsourcing) exemplarisch aufzeigen soll. Ein erster Use-Case soll im Juni 2016 veröffentlicht werden.

c) eMuseum

Unter dem Titel eMuseum ist eine Mehrzahl von IT-Projekten zusammengefasst, die das Museumserlebnis in den Phasen vor, während und nach dem Besuch ergänzen. Es sollen damit vor Ort technische Infrastrukturen zur digitalen Anreicherung der Ausstellungen (Besucherführung, WLAN, digitale Installationen) sowohl vor dem Besuch (Informationen, Ticketing usw.) als auch danach (in Kontakt mit dem Nutzer bleiben – soziale Medien, Möglichkeiten des weiteren Marketings) genutzt werden.

Aktuelle Beispiele sind:

- „Hamburg ins Gesicht geschaut. Porträts aus fünf Jahrhunderten“ im Museum für Hamburgische Geschichte. In der Ausstellung, die als spektakuläre Installation auf über 500 Quadratmetern eine breite und bunte Vielfalt von historischen und zeitgenössischen Porträts auf einzigartige Weise zur Schau stellt, widmen sich die Historischen Museen Hamburg anhand der Konterfeis von Hamburgerinnen und Hamburgern der Kulturgeschichte der porträthaften Abbildung. Die Ausstellung zeigt fast 400 Porträts verschiedener Genres und Stile. Als innovative Inszenierung mit intermedialem Zugang, der aus der Ausstellung selbst besteht, sowie aus einem farbenprächtigen Begleitband und der webbasierten Medienanwendung „Hamburg History Touch“ präsentiert „Hamburg ins Gesicht geschaut“ eine facettenreiche Auswahl von Porträts und Biografien berühmter und weniger bekannter Hamburgerinnen und Hamburger aus den letzten fünf Jahrhunderten. In der speziell für die Ausstellung entwickelten webbasierten Medienanwendung „Hamburg History Touch“ können die Besucher weitere 700 Porträts von Hamburgerinnen und Hamburgern als hoch aufgelöste Bilder mit einer Fülle an biografischen Detailinformationen in einer völlig neuen Dimension erleben.

- Die Hamburger Kunsthalle stellt 15 000 Zeichnungen und Druckgrafiken online. Das Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle zählt mit seinen ca. 130 000 Werken zu den reichsten Sammlungen seiner Art in Europa. Mit der Online-Stellung erreicht die Kunsthalle eine neue Öffentlichkeit und stärkt ihren Stellenwert in der Forschungsgemeinschaft, indem sie den wissenschaftlichen Austausch und die Zusammenarbeit fördert. Neben Wissenschaftlern profitieren von der weltweiten Vernetzung und erweiterten Teilhabemöglichkeit aber auch kunstinteressierte Privat-personen. Die digitalen Bild- und Objektdaten sind über die Webseite www.hamburger-kunsthalle.de ohne Registrierung erreichbar und können in hoher Auflösung angeschaut werden. Die Suche nach den Werken ist nach diversen Kriterien möglich, wie zum Beispiel über die Freitexteingabe oder über die Suche nach Künstlernamen und Werktiteln.

- iBeacon Tour durch das Museum für Kunst und Gewerbe. Als erstes Hamburger Museum eröffnet das Museum für Kunst und Gewerbe im Mai 2016 eine Tour durch Themenräume des Hauses, deren Inhalte dem Besucher mit iBeacon-Technik vermittelt werden. Damit wird dem Besucher ein völlig neuartiges optisches und akustisches Erlebnis des Museums geboten.

d) WLAN in den Kultureinrichtungen

In den kommenden zwei Jahren werden sukzessive die Kulturinstitutionen mit flächendeckendem WLAN ausgestattet werden.

e) Kooperation mit dem Verein Hamburg Theater e. V.

Teil der eCulture-Strategie ist es, in einem Kulturportal sektorübergreifend die Zugänglichkeit kultureller Angebote zu verbessern. Um den Theaterbereich mit seinen gut 40 Theatern in Hamburg zentral erfassen zu können, wurde eine Vereinbarung mit dem Verein Hamburg Theater e. V. geschlossen, der derzeit ein Konzept für ein übergreifendes Theaterportal entwickelt.

f)Digitalisierung im Staatsarchiv

Voraussetzung der Digitalisierung von Archivgut im Staatsarchiv Hamburg war, dass zunächst die Bestandsübersicht und die Findhilfsmittel als wichtigste Zugangs- und Rechercheinformationen digital bereitgestellt wurden. Seit 2011 ist es für die Nutzer/innen im Lesesaal des Staatsarchivs möglich, über die Archivsoftware ScopeQuery in den Beständen und Erschließungsinformationen zu recherchieren. Die Online-Stellung von ScopeQuery ist für das zweite Quartal 2016 geplant. Seit September 2014 stehen im Archivportal-D mehr als 200 000 Verzeichnungseinheiten des Staatsarchivs Hamburg auch im Internet zur Verfügung. Digitalisate sind jedoch bisher nur in sehr geringem Umfang in ScopeQuery bzw. im Archivportal-D einzusehen.

Eine systematische Digitalisierung der Bestände erfolgte bisher nicht, es wurden nach den vorhandenen Möglichkeiten kleinere Erschließungsprojekte durchgeführt. Eine erste Zusammenfassung der Rahmenvorgaben für Digitalisierungsprojekte wurde im Sommer 2014 erstellt, zusätzlich befindet sich eine Digitalisierungsstrategie in Arbeit.

3. Strategie

Die eCulture Agenda 2020 bildet den Implementierungsrahmen für die oben genannten Maßnahmen und ist selbst in die Strategie „Digitale Stadt“ eingebunden. Im Rahmen der Agenda werden auch die kulturellen Institutionen der Stadt Hamburg unterstützt, eigene digitale Strategien zu entwickeln. Wie in der Agenda vorgesehen, umfasst dies mehrere kulturelle Sparten – neben den Museen auch Theater und Musik.

Das Staatsarchiv Hamburg bereitet aktuell eine Digitalisierungsstrategie vor, die im Sommer 2016 über dessen Internetseite veröffentlicht werden wird. Diese Digitalisierungsstrategie stellt die Besonderheiten der Ausgangsformate dar, erfasst Möglichkeiten der Priorisierung bei der Erstellung von Digitalisaten, legt Formate für die Speicherung von Master und Benutzerkopie fest, zeigt Speicherkonzepte auf und stellt die Anforderungen im Hinblick auf eine komfortable Nutzung dar. Besonderes Augenmerk wird dabei darauf gelegt, dass die Herstellungskosten für einen Scan nur einen sehr geringen Anteil im Vergleich zu den Folgekosten für die Administration, Pflege und Vorhaltung der Daten einnehmen.

[1]

Das Ziel der Digitalisierung liegt einerseits im Bereich der Nutzung, also der Online-Bereitstellung und damit der schnelleren und einfacheren Zugänglichkeit, und anderseits im Bereich der Bestandserhaltung.

4. Kooperationen

Die Kulturbehörde betreibt Kooperationsprojekte mit der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Europeana. Mit mehreren Partnern in Europa wurden Kooperationsvereinbarungen getroffen, so z. B. mit der Stadtverwaltung und der Universität von Florenz, Birkbeck University of London und dem Ravens-bourne College.

Um die Dienstleistungen im Bereich eCulture zu verbessern und zu bündeln, wird zurzeit eine Public-private-Partnership ausgeschrieben – dies ist im Ausblick näher beschrieben.

Das Hauptziel bei bisherigen Digitalisierungsprojekten im Staatsarchiv Hamburg war vor allem die Schaffung von einfacheren und schnelleren Nutzungsmöglichkeiten. Besonders häufig genutzte Archivalien standen daher im Fokus. Neben der Digitalisierung von Mikrofilmen durch Fremdfirmen vergab das Staatsarchiv im Rahmen einer Dienstleistungskonzession die Digitalisierung eines Teils seiner Personenstandsbücher an einen Dienstleister, der sich wiederum zur Online-Stellung der Digitalisate verpflichtete.

Schon vor der Freischaltung des Archivportal-D hat sich das Staatsarchiv im Rahmen eines Kooperationsvertrages zur Datenlieferung an die Deutsche Digitale Bibliothek verpflichtet. Zur Freischaltung im September 2014 war das Staatsarchiv Hamburg eines der Archive mit den meisten online verfügbaren Datensätzen und Digitalisaten.

5. Ausblick

In den laufenden eCulture-Projekten und durch weitere aktuelle Bedarfsmeldungen hat es sich als elementares Erfordernis herausgestellt, eine zentrale mandantenfähige Plattform zur Speicherung und Publikation von digitalen kulturellen Objekten zur Verfügung zu stellen, die perspektivisch von allen kulturellen Institutionen Hamburgs genutzt werden kann – die eCulture Cloud. Die Plattform soll modular aufgebaut sein. Die Architektur umfasst neben der elastischen Speicherung von Digitalisaten und Metadaten auch ein zentrales Identitätsmanagement, Rechtemanagement und die Anbindung von Frontends wie z. B. die Webseiten der Institutionen und Suchmaschinen sowie weiterer Dienste wie Ticketing. Auch die Schnittstellen zum Export von Metadaten gehören dazu. Diese zentrale Plattform ist für 2016 projektiert. Wichtig ist dabei, dass die bestehenden Institutionen und „Marken“ mit einem eigenen Profil in den Frontends präsentiert werden.

Hamburg hat für die eCulture Cloud und weitere kulturelle und digitale Dienstleistungen die Gründung einer Public-private-Partnership ausgeschrieben, welche die eCulture Cloud erstellen und betreiben soll. Der Abschluss des Verfahrens wird zum Herbst 2016 angestrebt. Die eCulture Cloud könnte perspektivisch auch Institutionen außerhalb Hamburgs zur Verfügung gestellt werden – als Musterlösung für eigene Plattformen oder zur geteilten Nutzung.

Das Staatsarchiv Hamburg plant eine mehrstufige Umsetzung der Präsentation von Erschließungsinformationen bzw. Metadaten und Digitalisaten im Internet. Aktuell werden Digitalisate bereits über das Archivportal-D und die Webseite des Staatsarchivs präsentiert. Die größere Menge ist nur durch die Computer im Lesesaal über eine Ordnerstruktur zugänglich. Zukünftig soll die Präsentation der Metadaten und Digitalisate über ScopeQuery im Intra- und Internet realisiert werden. Die Bereitstellung deskriptiver Metadaten ebenso wie persistenter Identifikatoren ist notwendig, damit perspektivisch ein Harvesting durch Portale erfolgen kann.

Die Präsentation von Archivgut im Internet darf jedoch nicht gleichgesetzt werden mit dem gesetzlichen Erschließungs- und Bereitstellungsauftrag des Staatsarchivs. Um originale Unterlagen besser vor Schädigung und Abnutzung zu schützen, bleibt der Mikrofilm weiterhin das zentrale Medium für die dauerhafte Sicherung von Abbildungen des Archivguts. Die Langzeitspeicherung der Digitalisate stellt das Staatsarchiv Hamburg vor große Herausforderungen. Anders als analoge können digitale archivwürdige Unterlagen bisher noch nicht sicher und sachgerecht durch das Staatsarchiv erhalten werden. Im Rahmen des Projekts „Digitales Archiv Nord“ wird eine entsprechende Infrastruktur für digitale Aufzeichnungen aufgebaut.               

 


[1]

Dazu u. a. Positionspapier der Archivreferentenkonferenz („Digitalisierung von Archivgut im Kontext der Bestandserhaltung“, in: Der Archivar 4 (2008), S. 395–398. www.landes​archivbw.de/sixcms/media.php/120/42353/digibest.pdf (Letzter Aufruf: 04. 04. 2016), S. 1.

About the authors

Anke Hönnig * 1980, Duales Studium an der Archivschule Marburg und Ausbildung im Landesarchiv Schleswig-Holstein, mit Abschluss Diplom-Archivarin (2002). Nach Stationen im Landesarchiv NRW – Staatsarchiv Münster und im Nordelbischen Kirchenarchiv Kiel seit 2010 Referatsleiterin im Staatsarchiv Hamburg. Aufgaben: Betreuung der Bereiche Personenstands-, Melde- und Staatsangehörigkeitswesen, Freiwillige und Ordentliche Gerichtsbarkeit, Religionsgemeinschaften, Koordinierung von Retrokonversions- und Digitalisierungsprojekten.

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Dr. Horst Scholz ist Kunsthistoriker und seit 1996 Leiter des Referats Informationstechnologie und Digitale Projekte in der Kulturbehörde Hamburg. Studium an den Universitäten Münster und Marburg. 1983: Promotion an der Universität Marburg über Holländische und Flämische Druckgrafiken des 17. bis 19. Jahrhunderts. 1983–1990: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bildarchiv „Foto Marburg“, Universität Marburg. 1991–1995: Projektleiter für die digitale Dokumentation von künstlerischer Fotografie am Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg.

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Links and Downloads

[PDF] Digitales Kulturerbe und digitaler Zugang zur Kultur in Hamburg (in German)

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Credit: Anke Hönnig und Horst Scholz für die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg: "Digitales Kulturerbe und digitaler Zugang zur Kultur in Hamburg", in: Föderale Vielfalt – Globale Vernetzung: Strategien der Bundesländer für das kulturelle Erbe in der digitalen Welt, eine Publikation der Deutschen Digitalen Bibliothek, hrsgg. von Paul Klimpel und Ellen Euler, Hamburg University Press: Berlin 2016, Seite 88 - 99. CC BY-ND 4.0 International
 
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