Wir sind die DDB: Das Geomuseum der WWU Münster

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Das Geomuseum der WWU (Westfälischen Wilhelms-Universität) ist das älteste Naturkundemusem in Westfalen. Es wurde 1824 als "Museum mineralogicum et zoologicum" gegründet – lange vor der Universität selbst. Die Geschichte des Museums ist komplex, sowohl was den Standort als auch die Sammlung betrifft. Umfangreiche Teile des ursprünglichen Materials sind heute in dem sehr viel größeren LWL-Museum für Naturkunde untergebracht, das eine Ausgliederung von Ende des 19. Jahrhunderts ist, darunter auch alle biologischen Objekte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Objekte zerstört oder verschüttet, als das Gebäude unter den Bomben der Alliierten zusammenbrach.

Nach dem Zusammenschluss der ehemaligen geologischen/paläontologischen und mineralogischen Museen im Jahr 2007 kuratiert das neue Geomuseum der WWU geologische Fundstücke sensu lato, wie etwa Gestein, Mineralien, Fossilien und Meteoriten. Das Sedimentgestein und die Fossilien der Sammlung stammen ausschließlich aus der Region Westfalen, während die kristallographischen und systematisch-mineralogischen Sammlungen aus aller Welt kommen.

Das Museum wird von zwei Kuratoren in Teilzeit geleitet, die jeweils aus den früher getrennten Häusern stammen. Sie kümmern sich um die Objekte und entwickeln Sonderausstellungen mit Objekten der Sammlung und den Forschungsthemen der Universitätsinstitute, die für das Museum verantwortlich sind. Das Museumsgebäude ist ein Barockpalais aus dem Jahr 1703, der umfassend umgestaltet wurde, um die interessantesten Teile der Sammlungen optimal zu präsentieren. Die meisten Kellergeschosse und Gewölbe existieren noch immer, was besondere Probleme für die Aufrechterhaltung der hohen Standards der Kuration bedeutet.
 

Das Gebäude des Geomuseums
 

Etwa 150.000 Objekte sind in mehr als einem Dutzend thematischer Sammlungen gegliedert. Darunter sind diejenigen Teile, die Holotypen verschiedener Tiergruppen enthalten, die wissenschaftlich interessantesten. Paläontologen aus Deutschland und aus dem Ausland nutzen sie als Referenzmaterial zur Identifizierung ihrer Fossilien, sie besuchen das Museum ausschließlich aus diesem Grund. Am bedeutendsten sind die Huftiere aus dem Miozän (vor ca. 6 Millionen Jahren) von der griechischen Insel Samos, die Julius Andree zwischen 1910-1912 gesammelt hat, sowie eine Palette von Fischen aus der oberen Kreide (vor ca. 75 Millionen Jahren), die um 1880 im nahegelegenen Baumberge gesammelt wurden. Der Großteil des Materials des Geomuseums jedoch wartet noch auf seine zeitgemäße Dokumentation und Identifikation innerhalb der modernen Taxonomie.

Ansicht des Skelettes als Leihgabe des Geomuseums für eine Sonderausstellung im LWL-Archäologiemuseum Herne (Foto: LWL)
Das Skelett des "Ahlener Mammuts" wurde 1910 in einer Tongrube im westfälischen Ahlen gefunden. Das Exemplar wird auf das späte Weichsel-Glazial datiert. Das Gelände entsprach damals einer sumpfigen Niederung, wo das Tier vermutlich in einem Schlammtümpel stecken blieb und verendete. Bemerkenswert an dem Fund ist vor allem, dass es sich um ein einzelnes Individuum mit vollständigem Brustbein handelt. Derartige Funde sind selten, da sich meist nur verlagerte einzelne Knochen und Zähne finden. Anhand der Abnutzung des erhaltenen dritten Backenzahns konnte das Exemplar als erwachsener, aber nicht sehr alter Bulle bestimmt werden. Der leicht gebaute Schädel wurde im Ton deformiert, so dass schon 1910 nur Bruchstücke vorlagen; daher wurde dieser in Gips nachgebildet. Auch die Stoßzähne sind nicht echt, da die Originale durch zu rasche Trocknung bei der Bergung zerbarsten. Im Jahre 2006 erfolgten etliche anatomische Korrekturen am gezeigten Skelett. Alter: ca. 41.000 Jahre; Weichsel-Kaltzeit, Jungpleistozän Fundort: Tongrube Seiler, Ahlen, Kr. Warendorf

Der größte Teil der Sammlungen besteht aus Fossilien aus den Schichten, die von regionaler Bedeutung sind: Pleistozäne Mammalia aus offenen Kiesgruben und Karsthöhlen, wie etwa Wollnashörner, Mammuts oder Höhlenbären, kreidezeitliche Dinosaurier, Ammoniten und Muscheln, Baustämme und andere Pflanzenreste aus ehemaligen Kohlengruben sowie Wirbellose aus dem devonischen Sauerland oder dem jurazeitlichen Wiehengebirge. Viele dieser Objekte wurden im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert gefunden und öffnen ein einzigartiges Fenster zu längst verloren geglaubten Orten.

 Ammonit Leioceras Foto: Geomuseum der WWU Münster
Diese drei Ammoniten gehören zur Art Leioceras costosum (REINICKE). Die im Jura sehr häufigen und artenreichen Ammoniten sind mit den heutigen Tintenfischen verwandt. Sie waren in allen Meerestiefen vertreten. Als Räuber waren sie aktive Schwimmer, allerdings auch gleichzeitig selbst Beute der Ichthyosaurier. Auffallend ist an diesem Stück die Erhaltung der glänzenden Perlmuttschicht, die bei dieser Gattung häufig noch gefunden wird. Dies hängt eng mit dem sehr fetten Tonstein (Opalinuston) zusammen, in dem die Fossilien meist gefunden werden; er lässt über Jahrmillionen fast keinen chemischen Austausch zu. Ammoniten sind in der Geologie bedeutsam, da sie wichtige Leitfossilien stellen, das heißt Zeitalter an ihnen definiert und bestimmt werden können. Alter: 175 Mio. Jahre, Opalinuston, unt. Aalenium, Mitteljura Fundort: Zgl. Osterfeld, Goslar/Harz, Niedersachsen

Alle Objekte des Geomuseums der WWU Münster in der Deutschen Digitalen Bibliothek