Spurensuche: Tag der Provenienzforschung 2021

Am 14. April 2021 findet der Internationale Tag der Provenienzforschung zum dritten Mal statt. Mehr als einhundert Institutionen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA nutzen den Anlass, um Einblick in die Arbeit ihrer Provenienzforscher*innen zu geben. Auch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und die Staatsbibliothek zu Berlin zusammen mit den Staatlichen Museen zu Berlin (beide Stiftung Preußischer Kulturbesitz) beteiligen sich mit zwei virtuellen Ausstellungen in der Deutschen Digitalen Bibliothek.

Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft von Kunst- und Kulturgütern und ist integraler Bestandteil der Arbeit von Museen, Bibliotheken und Archiven. Neben der Identifizierung von NS-Raubgut und der Auseinandersetzung mit Kulturgütern aus kolonialen Kontexten, dient sie auch dem Verständnis der Prozesse um Authentifizierung, (Wert-)Zuschreibung, oder Aneignung dessen, was heute als Kulturgut definiert wird.

Collage mind the gap
Collage von Provenienzmerkmalen, dokumentiert im Projekt "NS-Raubgut in der SLUB - Erwerbungen nach 1945", aus der Sammlung von: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek, Gestaltung: Judith Andó, Bildbearbeitung: Ramona Ahlers-Bergner, SLUB Dresden (Rechte vorbehalten - Freier Zugang).

Anlässlich des Internationalen Tags der Provenienzforschung, initiiert vom Arbeitskreis Provenienzforschung, sind in der Deutschen Digitale Bibliothek zwei spannende neue virtuelle Ausstellungen online zu sehen. „mind the gap. Von geraubten Büchern, fairen Lösungen ... und Lücken“ der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und „Spotlight on the Object – LEUTE – ORTE - DINGE“ der Staatsbibliothek und der Staatlichen Museen zu Berlin.

Virtuelle Ausstellungen in der Deutschen Digitalen Bibliothek

In der virtuellen Ausstellung mind the gap. Von geraubten Büchern, fairen Lösungen ... und Lücken legt die SLUB Dresden den Fokus auf Bücher als NS-Raubgut. Das Vorgehen der Provenienzforscher*innen wird anhand von Herkunftsvermerken in drei Büchern aufgerollt, die die Schicksale der Schriftstellerin Ilse Weber, der Arbeiterbibliothek Rathenow und des Württembergischen Freidenker- und Monistenbundes vor und während der Zeit des Nationalsozialismus dokumentieren. Dabei zeigt die virtuelle Ausstellung, dass Lücken in der Provenienzforschung allgegenwärtig sind: sie zu schließen, ist schwierig, manchmal sogar unmöglich. Die Spurensuche der Forscher*innen ähnelt also historischer Detektivarbeit: Sie gehen Hinweisen nach und sammeln Informationen aus Archiven, Publikationen oder Zeitzeugenberichten. Manchmal tun sich falsche Fährten auf und selten ist klar, ob die Recherche erfolgreich sein wird, oder lückenhaft bleibt. Wie kann man mit diesen Lücken umgehen, wie sie überwinden oder füllen? Die Ausstellung zeigt Wege dafür auf. Sie wird mit einem virtuellen Publikumsrundgang zum Tag der Provenienzforschung am 14. April 2021 um 17:00 Uhr eröffnet.

Erwerbungsakten des Zentralsarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin
Erwerbungsakten des Zentralsarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin, aus der Sammlung von: SPK/photothek.net/Florian Gärtner (Rechte vorbehalten - Freier Zugang).

Mit der virtuellen Ausstellung Spotlight on the Object – LEUTE – ORTE - DINGE laden die Staatsbibliothek und die Staatlichen Museen zu Berlin Stiftung Preußischer Kulturbesitz dazu ein, interessante Objekte zu entdecken, mit ihnen verflochtene Personen und Orte zu beleuchten und Provenienzforscher*innen beim Interpretieren oft unscheinbarer Spuren über die Schulter zu sehen. Dreizehn Autor*innen aus beiden Einrichtungen stellen insgesamt zwanzig Objekte vor, die in den Fokus der Provenienzforschung an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gerückt sind. Umfangreiches Bildmaterial verdeutlicht die Komplexität der einzelnen, oft auch spartenübergreifenden Objektrecherchen innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Ziel ist hierbei, die vergangenen, versteckten und manchmal auch bewusst verborgenen Etappen in der Biografie von Büchern, Kunstwerken und Alltagsgegenständen, ihre Geschichte und Geschichten wieder ans Licht zu holen. Die früheren Besitzer*innen, Ortswechsel und unterschiedlichen Sammlungskontexte können viele Spuren hinterlassen – nicht zuletzt auf den Objekten selbst. Der Kosmos der unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz versammelten Objekte und damit die Vielfalt der mit ihnen verwobenen Geschichten ist weltweit einzigartig.

Digitale Events der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Bereits zum zweiten Mal sind die Aktivitäten zum Tag der Provenienzforschung pandemiebedingt digitaler Natur. Das Team der Provenienzforscher*innen der Staatlichen Museen zu Berlin bietet deshalb eine Reihe von Online-Diskussionsveranstaltungen an. Den Auftakt macht das digitale Event FragtDieProvenienzForscher:in. Zum Tag der Provenienzforschung ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen – z.B. über Twitter (@PPR_Dahlem) und Instagram – per Hashtag #FragtDieProvenienzForscher:in Fragen zur Provenienzforschung zu stellen. Am 14. April 2021 von 18 bis 19 Uhr werden die Panelist*innen Julia Binter (Ethnologie), Sven Haase (Bildende Kunst) und Birgit Sporleder (Archäologie) moderiert durch Anna Schäfers via Webex Antworten geben. Sie sind herzlich eingeladen, die Diskussion live zu verfolgen und mitzudiskutieren. Die Anmeldung zum Webex Event erfolgt per Email an provenienzforschung [at] smb.spk-berlin.de. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf dem Blog der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Auf dem Blog der Staatlichen Museen zu Berlin in der Reihe Biografien der Objekte ist ab dem 14. April 2021 außerdem ein Beitrag zur Provenienz des bekannten Auslegerbootes von der Pazifikinsel Luf zu lesen, den Timo Weißberg gemeinsam mit Dorothea Deterts, Kuratorin für die Ozeanien-Sammlung in den Beständen des Ethnologischen Museums, verfasst hat.

Die Staatsbibliothek zu Berlin präsentiert ihr vielfältiges Engagement in der Provenienzforschung ganz neu in einem eigenen Webportal, für das nicht nur die Inhalte nutzerfreundlicher umgestaltet wurden, sondern das auch ein deutlich erweitertes Informationsangebot bietet: https://provenienz.staatsbibliothek-berlin.de/. Alle Angebote zum Tag der Provenienzforschung an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz finden Sie hier.

 

Zur virtuellen Ausstellung „Spotlight on the Object – LEUTE – ORTE – DINGE“ der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geht es hier.

Die virtuelle Ausstellung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) finden Sie hier.

Das gesamte Programm zum Tag der Provenienzforschung finden Sie auch auf der Website des Arbeitskreises Provenienzforschung.