Drachen fliegen tatsächlich – vor allem für die Wissenschaft
Ob es feuerspeiende fliegende „Lindwürmer“ wirklich einmal gegeben hat, ist ungeklärt. Fest steht jedoch, dass Wissenschaftler*innen seit mehr als 150 Jahren Drachen an Fesselseilen aufsteigen lassen, um die Atmosphäre in der Höhe zu erforschen. Oder, um die Erdoberfläche aus der Höhe zu fotografieren. Und neuerdings, um zum Beispiel kostengünstige astronomische Forschungen durchzuführen, die nicht durch Wolken behindert werden.
Im Jahr 1900 gründete Richard Assmann vom Königlich-Preußischen Meteorologischen Institut Berlin in Berlin-Tegel ein Aeronautisches Observatorium, an dem neben Ballons vor allem Drachen für meteorologische Messungen eingesetzt wurden. Im Jahr 1905 wurde dieses Observatorium von Tegel nach Lindenberg bei Beeskow verlegt, weil abgerissene Drähte von Drachen in der Nähe der Großstadt eine Gefahr darstellten und weil die Einflüsse der Stadt auf die Atmosphäre zu verfälschten Messergebnissen führten.
Seit 1905 gibt es in Lindenberg ein solches Observatorium, das wesentlich zur Entwicklung der Aerologie als einem neuen Zweig der Meteorologie beigetragen hat. Dort wurden Drachen in großer Zahl hergestellt und auch auf Expeditionen eingesetzt. Diese Entwicklung endete etwa 1930 mit dem Regulierdrachen von Rudolf Grund, weil zu diesem Zeitpunkt eine neue Technologie zur Erforschung der freien Atmosphäre eingesetzt werden konnte, die maßgeblich ebenfalls in Lindenberg entwickelt worden war, die Radiosondentechnik.
Die Bildergalerie macht die historischen Fotodokumente der Drachenära in Lindenberg zugänglich und verbindet sie mit Foto-Dokumenten von modernen Drachennachbauten und phantastischen Drachenentwicklungen heutiger Drachen-Enthusiasten*innen. Sie macht sichtbar, dass Drachen auch aktuell für wissenschaftliche Forschungen genutzt werden, weil sie eine kostengünstige Alternative zu anderen Verfahren ermöglichen.