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Projekt für Kultur und Wissenschaft
Ein freier und zentraler Zugang zu Informationen gehört zu einer funktionierenden und modernen Demokratie. Das Internetportal der Europeana, der Europäischen Digitalen Bibliothek, ist ein wichtiger Schritt hin zur Informationsgesellschaft. Mit der Deutschen Digitalen Bibliothek bringt Deutschland seinen Teil des europäischen kulturellen Gedächtnisses ein.
Eingebunden in Europa
Die Deutsche Digitale Bibliothek ist der nationale Beitrag zur Europeana, die Kulturgüter aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union weltweit zugänglich machen will. Dahinter steht die Überzeugung der Europäischen Union, dass die Bereitstellung elektronischer Inhalte für die Zukunft der europäischen Wissens- und Informationsgesellschaft eine herausragende Rolle spielt. Die Europeana ist seit Ende 2008 am Netz und vereint erste Bibliotheken, Archive und Museen unter ihrem Portal. Mit der Deutschen Digitalen Bibliothek kommt Deutschland der Aufgabe nach, seinerseits ein nationales Portal für digitalisierte Kunst- und Kulturgüter zu schaffen.
Die Vision vom frei zugänglichen Wissen
Wissenschaftler, Hobby-Historiker, Familienforscher, Journalisten, Studierende, Schüler, Lehrer - die Deutsche Digitale Bibliothek wendet sich an alle Bürgerinnen und Bürger. Bislang ist die Recherche im Netz zu einem bestimmten Thema schwierig, wenn man nicht genau weiß, wo man suchen muss. Populäre Suchmaschinen bieten häufig zu viele undifferenzierte Hinweise oder zu wenige. Oder gefundene Bücher, Urkunden, Kunstwerke sind nur in weit entfernten Häusern zugänglich.
Die Vision der Deutschen Digitalen Bibliothek lautet, dass alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die für sie aufschlussreichen Objekte über einen zentralen Zugang im Internet abrufen können. Bücher, sofern das Urheberrecht es zulässt, sind am Computer lesbar. Bilder lassen sich anschauen, Findbücher durchblättern, Ausstellungen können virtuell durchwandert werden. Der Zugang zu diesen Informationen wird frei zugänglich sein, die Suchmasken einfach zu bedienen. Dabei sollen sich den Nutzerinnen und Nutzern auch überraschende Querverbindungen eröffnen. Wer "Beethoven" eingibt, erhält Sekundärliteratur, Noten, Portraits und braucht nur einen Mausklick, um mehr zu erfahren. Menschen mit speziellen Bedürfnissen, zum Beispiel Kinder oder Behinderte, bekommen auf sie zugeschnittene Zugangsmöglichkeiten zu Kultur und Wissen. Und wenn Nutzerinnen und Nutzer noch nicht erfasste Erkenntnisse haben, sollen sie ihr Wissen in die Deutsche Digitale Bibliothek einbinden können. Bis diese Vision verwirklicht ist, muss noch ein weiter Weg gegangen werden. Die Digitalisierung des deutschen kulturellen Gedächtnisses ist ein Prozess, der auf Jahre angelegt ist.
Der Weg zum Portal
Auf dem Weg zur technischen und organisatorischen Fertigstellung der ersten Entwicklungsstufe der Deutsche Digitalen Bibliothek ist eine wichtige Hürde genommen. Das Fraunhofer IAIS hat das Projekt zur Planung, Entwicklung und technischen Umsetzung der ersten Ausbaustufe der Deutschen Digitalen Bibliothek zum 31.12.2011 termingerecht abgeschlossen und die Entwicklungen, insbesondere das technische Kernsystem der Deutschen Digitalen Bibliothek, an das Kompetenznetzwerk übergeben. Der technische Betreiber, FIZ Karlsruhe, installiert die Software auf den für die Deutsche Digitale Bibliothek vorgesehenen Servern, führt Tests durch und bereitet den Echtbetrieb vor. Dabei sind die lastsichere Verteilung der Softwarekomponenten sowie die Etablierung eines betrieblichen Prozesses für den Datenimport maßgebliche Faktoren für den Betrieb der Deutschen Digitalen Bibliothek.
Wissenschafts- und Kulturinstitutionen sind dazu aufgerufen, sich der Deutschen Digitalen Bibliothek anzuschließen. Die Registrierung der Einrichtungen erfolgt über einen Onlinefragebogen. Die an der Deutschen Digitalen Bibliothek beteiligten Einrichtungen werden in einer virtuellen Kultur- und Wissenschaftslandkarte präsentiert. Bereits digitalisierte Bestände von Bibliotheken, Mediatheken, Museen, Archiven etc. werden in das zentrale Portal integriert. So wird die Deutsche Digitale Bibliothek zum Online-Start mehrere Millionen digitalisierte Objekte aus den verschiedenen Sparten nachweisen können.
Finanzierung
Die Deutsche Digitale Bibliothek wird finanziert vom Bund, von den Ländern und den Kommunen. Für den Aufbau der Infrastruktur der Deutschen Digitalen Bibliothek hat der Bund aus dem IT-Investitionsprogramm des Deutschen Bundestages 8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, für den Betrieb haben Bund und Länder ab 2011 für fünf Jahre 2,6 Millionen Euro jährlich zugesichert.
Sicherung des Urheberrechts
Die Deutsche Digitale Bibliothek wahrt selbstverständlich die Urheber- und Verwertungsrechte. Zum Start werden zunächst ausschließlich urheberrechtsfreie Werke eingestellt. Geplant ist, dass künftig Urheber und Verlage für die Internet-Veröffentlichung ihrer Werke über die Deutsche Digitale Bibliothek einen angemessenen Preis verhandeln werden können. Wie dieses Verfahren genau ablaufen soll, wird auch in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Verwertungsgesellschaft Wort ausgearbeitet.
Für eine demokratische Wissensgesellschaft
Die Bestände von Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland zusammenzuführen und zu vernetzen, ist nicht nur eine gigantische technologische und organisatorische Herausforderung. Mit der Deutschen Digitalen Bibliothek wird Tradition und lebendige Gegenwart von Kultur und Wissenschaft dieses Landes auf einzigartige Weise dargestellt und vermittelt. Demokratie benötigt aktive Mitwirkung und dafür braucht es Identifikation und Transparenz - also Information. Diese zu erwerben, will die Deutsche Digitale Bibliothek allen Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, damit die künftige demokratische Wissens- und Informationsgesellschaft mit Leben erfüllt werden kann.